Wie ich zum Campen gekommen bin – oder warum Nacktschnecken mein Kindheitstrauma sind

Wie wird man eigentlich zum Campingfan? Bei mir begann alles mit einem Iglu-Zelt, einem Hund, jeder Menge Freiheit und einigen Erlebnissen, die mich bis heute verfolgen. Die Geschichte dazu gibt's hier.

Der Ursprung des Campingwahns – barfuß ins Abenteuer

Manche Menschen entdecken das Campen erst im Erwachsenenalter. Sie kaufen sich einen Wohnwagen, schauen YouTube-Videos über Stellplätze und nennen sich plötzlich Outdoor-Enthusiasten.

Bei mir war das etwas anders.

Ich bin zwar nicht im Wohnwagen geboren worden, aber Camping gehörte schon zu meinem Leben, bevor ich überhaupt wusste, dass andere Menschen ihre Sommerferien in Hotels verbringen.

Meine allererste Camping-Erinnerung führt mich nach Neuharlingersiel. Damals bestand unser luxuriöses Urlaubsdomizil aus einem Vier-Mann-Iglu-Zelt, vier Menschen und einem Hund.

Falls ihr gerade rechnet: Ja, das war ungefähr so gemütlich, wie es klingt.

Tagsüber war das alles noch völlig in Ordnung. Nachts begann allerdings der wahre Nervenkitzel. Denn jedes Mal, wenn ich zur Toilette musste, bedeutete das einen kleinen Hindernislauf über den Campingplatz.

Natürlich barfuß. So macht man das als Kind schließlich.

Was ich damals noch nicht wusste: Nacktschnecken lieben Campingplätze offenbar genauso sehr wie Menschen.

Und so trat ich regelmäßig mitten in der Nacht in diese glitschigen kleinen Kreaturen.

Falls ihr dieses Gefühl kennt, muss ich nichts weiter erklären.

Falls ihr es nicht kennt: Herzlichen Glückwunsch. Möge euch dieses Erlebnis für immer erspart bleiben.

Bis heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Trotzdem habe ich diese Urlaube geliebt.

Nikotingelb, Polster-Hypnose und die große Freiheit

Wenig später stand dann der Wohnwagen meiner Großtante auf dem Programm. Ein alter Tabbert in einem Farbton, den man heute wahrscheinlich als Retro bezeichnen würde. Damals war er einfach nur nikotingelb.

Für mich war das pure Freiheit. Aufstehen wann man wollte und den ganzen Tag an der frischen Luft sein.

Später kauften sich meine Eltern einen Frankia-Wohnwagen. Über dessen Einrichtung müsste man eigentlich einen eigenen Blogartikel schreiben.

Besonders die Polster.

Sie waren so kleinkariert gemustert, dass man nach wenigen Sekunden das Gefühl bekam, sie würden sich bewegen und würden geradewegs durch die Wohnwagentür nach draußen gleiten. Wer lange genug darauf starrte, brauchte vermutlich keinen Freizeitpark mehr.

Irgendwann zog dann ein neuer Fendt bei meinen Eltern ein und Camping wurde endgültig zu einem festen Bestandteil meines Lebens.

Als ich später meinen Mann kennenlernte, war schnell klar: Diesem Menschen muss ich das Campen zeigen.

Also verbrachten wir unsere ersten gemeinsamen Campingurlaube im Wohnwagen meiner Eltern.

Zwischendurch versuchten wir es einmal mit einem klassischen Flugurlaub.

Das Ergebnis?

Nach wenigen Tagen stand fest: Das ist nicht unsere Welt.

Wir vermissten das Draußensein. Wir vermissten die Freiheit. Und wir vermissten das Gefühl, morgens direkt mitten in der Natur aufzuwachen.

Also kauften wir uns ein Zelt.

Eine Entscheidung, die unser Leben für die nächsten 14 Jahre prägen sollte.

In dieser Zeit haben wir vermutlich alles erlebt, was das Wetter zu bieten hat.

Gewitter. Stürme. Wolkenbrüche. Hitzerekorde. Minusgrade.

Und die eine oder andere Nacht, in der wir uns fragten, ob unser Zelt am nächsten Morgen noch existieren würde.

Einmal war mein Mann sogar so überzeugt davon, dass ein Blitz unser Zelt treffen würde, dass wir die halbe Nacht im Auto verbrachten und dort das Unwetter aussaßen.

Romantik kann viele Formen haben.

Den Höhepunkt erreichte unsere Zeltkarriere allerdings im Jahr 2023. Es regnete so viel, dass der Boden irgendwann mehr an einen Sumpf als an einen Campingplatz erinnerte. Direkt neben unserem Stellplatz lag ein See, dessen Wasserstand gefühlt stündlich anstieg.

Irgendwann lagen wir nachts im Zelt und diskutierten völlig ernsthaft, ob wir am nächsten Morgen wohl noch auf dem Campingplatz oder bereits mitten auf dem See aufwachen würden.

Die Vorstellung, wie unser Zelt samt Inhalt langsam Richtung Horizont treibt, erschien uns plötzlich erschreckend realistisch.

Spätestens in diesem Moment wurde uns klar: Vielleicht möchten wir zukünftig doch etwas mehr Komfort.

Der Umweg über den Camper-Van

Danach mieteten wir einen LMC Innovan und starteten gemeinsam mit unseren beiden Hunden einen Testlauf. 

Doch schon nach kurzer Zeit wurde uns klar, dass wir etwas anderes suchen.

Wir wollten einen festen Platz haben. Einen Ort, an dem wir ankommen können. Einen Ort, der auch für unsere Hunde ein Zuhause auf Zeit ist.

Und genau deshalb fiel die Entscheidung für einen Wohnwagen.

Ein Zuhause auf Rädern.

Ein Rückzugsort.

Und irgendwie auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln.

Von Nacktschnecken über hypnotische Wohnwagenpolster bis hin zu 14 Jahren Zeltabenteuern hat mich das Campen mein ganzes Leben begleitet.

Und jetzt beginnt das nächste Kapitel.

Nächsten Monat holen wir unseren eigenen Wohnwagen ab.

Wie er aussieht, warum wir uns genau für dieses Modell entschieden haben und welche Veränderungen bereits geplant sind, erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

„Die Freiheit, die man beim Campen spürt, ist unbezahlbar. Es ist eine Flucht aus dem Alltag, die uns wieder erdet und zeigt, was wirklich wichtig ist.“

Ein Camping-Enthusiast